Alte KraichTaler Rezepte


Die meisten Rezepte wurden vom Heimat- und Museumsverein e.V. Kraichtal, aus dem Kochbuch 'Alte Kraichtaler Rezepte' zur Verfügung gestellt. Vielen Dank für diese Unterstützung.

 

Diese Rezepte sind nicht nur besonders köstlich, sie sind auch ein Teil unserer Heimatkultur die es lohnt, auch in der Zukunft zu erhalten.

 

Probieren Sie doch einfach mal ein Rezept aus. Viel Spaß und einen guten Appetit wünschen Ihnen die KraichTaler.

 

 

Schupfnudeln

 

Zu einer mittelgroßen Schüssel geriebener Kartoffeln mache die hälfte Mehl, etwas Salz und schlage 4 Eier daran und schaffe es tüchtig, dann mache die sogenannte Schupfnudel, nachher koche sie im Salzwasser ab, lasse sie erkalten und backe sie und schlage kurz vor dem Anrichten einige Eier daran.

 

Ihren Namen hat die Schupfnudel von der typischen Bewegung, die bei der Herstellung angewandt wird. 'Schupfen' bedeutet soviel wie 'wegstoßen' oder 'wegrollen'.

Auf die gleiche Weise entstand auch der Name 'Wargelnudeln'.

 

Die Bezeichnung 'Bauchstecherle' sollen die Schupfnudeln niemand Geringerem als dem Maler Carl Spitzweg zu verdanken haben. Spitzweg, der eine Vorliebe für das Gericht hatte, klebte angeblich in das Kochbuch neben sein geliebtes Rezept ein Bild zweier fechtenden Eheleute, von denen einer dem anderen mit dem Degen einen Stich in den Bauch versetzte.

 

Der Name 'Buabaspitzle' bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung, da sich jeder mit etwas Fantasie vorstellen kann, welches Körperteilchen das Buaba-spitzle beschreibt. 

 

 

Holunderkuchen

 

In jedem Garten stand früher ein Holunderstrauch. Er gehörte einfach dazu und zierte so manches Häuschen. Der Holunder wurde gern gesehen und auch sehr verehrt. Die Bauersfrauen hatten vielfache Verwendung für seine Blüten und Früchte. Sehr beliebt war der Holunderkuchen:

 

Einen Hefeteig als Boden, drüber kam eine dicke Schicht Rahm wie beim Zwiebelkuchen und darauf kamen die entstielten Holunderblütchen welche beim Backen knusprig und 'rösch' wurden. Obendrein durften Butter und Speckwürfel nicht fehlen.

 

Dieser Kuchen betörte mit seinem Duft schon beim Backen und frisch gegessen, wenn er noch warm war ... ein Gedicht!

 

Gefunden in 'Das Leben im Kraichgau in vergangenen Zeiten'.

 

 

Fastnachtsküchelchen 

 

6 Eigelb oder 2 Eigelb und 2 ganze Eier mit 1/4 Schoppen süßen Rahm und 6 Loth (1 Loth entsprach ca. 15,6  - 16,6 Gramm) gestoßenen Zucker gut verrührt, dann nicht ganz 1 Pfund Mehl dazu gearbeitet und ganz dünn ausgerollt und in schwimmendem Butter gebacken.

 

 

Ostereierfarben

 

Seit dem 12. Jahrhundert ist der Karsamstag traditionell der Tag, an dem Eier gefärbt werden, weshalb er den Beinamen Färbersamstag erhielt.  In Deutschland werden gefärbte Ostereier erstmals im frühen 13. Jhd., als ein 'zu Ostern abzulieferndes Zinsei', erwähnt.

Symbolische Bedeutung

Im Christentum wurde das Ei zum Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Von außen wirkt es kalt und tot, doch aus seinem Inneren erwächst neues Leben.

Somit stand das Ei symbolisch für das Grab in Jerusalem, aus dem Jesus Christus am Ostermorgen von den Toten auferstanden ist.

 

Weite Verbreitung in der Bevölkerung fand diese Vorstellung durch Merksprüche wie diesen: "Wie der Vogel aus dem Ei gekrochen, hat Jesus das Grab zerbrochen."

 

 

Rothe (rot): zu 60 Eier rühre für 12 Pfennig Presilienspäne und koche es mit 1 1/2 Schoppen Wasser, dann schüttet man es ab und koche eine halbe Viertelstunde Leim mit ein wenig Wasser und verteile ihn in die Farben, siede die Eier hart ab und koche die Farbe noch ein wenig, dann wälze (drehe) die Eier in der Farbe herum und lasse sie trocknen.

Veilchenblau: für 3 Pfennig Blauspäne, es wird gemacht wie oben.

Himmelblau: für 3 Pfennig Blaukugeln werden mit ein wenig Wasser eingeweicht und von dem Leim dran getan, dieses wird nicht gekocht.

Hellbraun: eine Handvoll Zwiebelschale mit einem halben Schoppen Wasser aufkochen und gut ziehen lassen. Die Eier in diesem Sud hart kochen.

 

 

Fisch-Filet vom Schellfisch oder Capleau...

 

wird in zwei Hälfte geteilt, der Grat mit dem Kopf, Lauch und Gelberüben gekocht. Die Filet in eine feuerfeste Platte legen und salzen. Dann wir mit Mehl und Butter eine helle Schwitze gemacht, der man fein gehackte Zwiebeln und Petersilie und ein bisschen Madeira (Süßwein aus Madeira) zugibt. Dieses lässt man aufkochen. Dann gießt man die Sauce über den Fisch, stellt es in den Backofen und lässt es ziehen, so dass der Fisch eine gelbe Farbe bekommt.

 

 

Rezept für Maiwein (Gedichtform)

 

Willst du bereiten den Maiwein fein,

nimm eine Flasche guten weißen Wein.

 

In diesen eine Handvoll Waldmeisterle,

auch vermehrt noch seine Güte,

eine Handvoll Erdbeerblüthe.

 

Zitronenkraut nimm auch dazu,

das gibt einen ganz aromatischen Glu.

 

Es gehören ferner noch zum Ganzen,

von Gundelreben zwei volle Pflanzen.

 

Drei Blätter von schwarzen Johannistrauben,

die die Delikatesse noch höher schrauben.

 

Von Kreusemünze fünf bis sechs Blättchen,

die du haben kannst in jedem Städtchen.

 

Nach vier Stunden kannst du den Wein abgießen,

denselben mit vier Loth Zucker versüßen.

Und dann mit freudigem Herzen genießen.

 

Wohl bekomms!

 

 

Der Liebespudding

 

In einer alten Schublade fand man dieses Rezept. Auch unsere Groß- und Urgroßmütter hatten Humor!

 

Man nimmt 500 g Liebe, 20 g Seufzer und 500 g Küsse.

Diese werden mit brennenden Lippen, womöglich fester Umarmung angerührt, sodann füge man einige kalte Blicke einer neidischen Freundin hinzu, läßt es in einer dunklen Laube, bei hellem Mondschein eine halbe Stunde bei dem größtem Feuer kochen....

 

 

Nuslikör

 

Man nimmt 15 unreife Nüße, schneidet sie zusammen, tut sie in eine Flasche, schüttet 1 Maß guten Brandwein daran und läßt diese 4-5 Wochen in der Sonne düstlieren. Dann gieße man es ab, läutert 1 Pfund Zucker im Wasser, schüttet es daran, und läßt es miteinander noch einige Tage in der Sonne düstlieren.

 

Gelesen werden die unreifen Früchte zu Johanni.

Gut ist es auch, wenn der Likör noch ca. 1 Jahr lagert. Prosit!

 

 

Tomatenmark

 

Man schneidet die reifen Tomaten durch, dämpft sie bei schwachem Feuer mit etwas Salz, ein Sträußchen Petersilie und einem kleinen Lorbeerblatt. Sind sie weich, so streiche man sie durch ein Sieb und koche das Durchgetriebene langsam bis es dickfließend ist. Wenn erkaltet, in Gläser gefüllt und 2 1/2 bis 3 Stunden kochen, je nach Größe der Gläser.

 

 

Tomaten, auch Paradiesäpfel oder Paradeiser genannt, sind Nachtschattengewächse.

Die Bedeutung 'Nachtschattengewächs' ist unklar, hat aber nichts damit zu tun, dass die Pflanzen 'nachts wachsen'.

 

Der Österreicher Erich Stekovic gilt als 'Kaiser der Paradeiser'. Er züchtet und pflegt in Österreich, nahe der ungarischen Grenze, mehr als 3200 verschiedene Tomatensorten. Niemand sonst in Europa, baut mehr unterschiedliche Sorten an.

 

 

Zwetschgen und sonstiges Steinobst

 

2kg schöne, noch feste Früchte werden an 4-5 Stellen mit einer Nadel durchstochen, mit einer Lösung von 1kg Zucker, 1Ltr. Weinessig, einige Gramm Zimt und Nelken auf schwachem Feuer erhitzt (nicht kochen) bis einige anfangen zu platzen. Hierauf wird in Gläser und Töpfe gefüllt und mit einer heißen Lösung am anderen Tag abgeschüttet, nochmals aufgekocht und über die Früchte gegossen.

 

 

 

Butterteig (Boden für Zwiebelkuchen)

 

Mehl wird mit einem Ei, einem Schoppen Rahm, ein kleines Gläschen Branntwein und Salz vermengt, wiegt dann Teig und nimmt die Hälfte des Gewichts Butter und schafft es unter den Teig und walkt es nur zweimal aus. Am besten ist es, wenn man den Rahm mit dem Ei verkleppert und dann Mehl hinein schafft, auch kann man gerade ein halb Pfund Butter nehmen, stelle den Teig in Keller (kühl stellen).

 

Zwiebelkuchen

 

Dämpfe Zwiebel weich mit einem Stück Butter, lasse sie erkalten, tue 3 Löffel voll Mehl, Rahm und 3 Eier, etwas Salz hinzu und fülle das mit Butterteig belegte Blech und streue noch obendrauf viereckige Stückchen Speck und lasse ihn backen.

 

 

 

Gans- und Entenbraten 

 

Dieselben werden mit Butter, Zwiebeln (Schalotten) hingestellt und Salz. Übergieße sie fleißig und schütte später etwas Wasser hinzu und brat die Gans und Enten, bis sie eine schöne Farbe haben. Sollte der Ofen etwas heiß sein, so lege ein Stück Papier auf den Braten.

Man kann die Gans auch mit einer Kastanienfüllet füllen.

 

 

Kastanienfüllet

 

Nachdem die Kastanien weich gekocht und abgeschält sind, stellt man sie mit Butter und Zwiebeln aufs Feuer, läßt es dämpfen, streut Pfeffer, ganz wenig Nelken und Muskatnuß hinein, wenn alles gut gedämpft ist und wieder erkaltet, mengt man 1-2 Eier hinzu und füllt damit die Gans oder auch die Ente. Sollte man nicht genug Kastanien haben, so läßt man einen eingeweichten Weck mitdämpfen.

 

 

Christtagsgebäcks

(Christtags-Gebäck)

 

Nimm 1 Pfund Zucker, 4 große Eier, rühre es weiß, für 30 Pfennig Zitronat und Pomeranzenschale, 1 Handvoll feine Mandeln, ziemlich (viel) Zimmt, 1 Messerspitze voll Nelken, Mehl wie zu einem Springerlesteig, etwas Hirschhornsalz, walle es aus und steche es mit Modelchen (Formen) aus. Lasse es über Nacht stehen, dann bestreiche es, streue Zucker und Zimmt darauf und backe es bei gelinder Hitze.